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Als wir vor einiger Zeit mal spazieren gingen, kam uns ein Ehepaar entgegen, das mitleidig sagte. "Ach, sind das schöne Hunde! Das sind doch Dalmatiner, oder?" Auf unser "Ja" hin kam dann etwas zögerlich noch: "Herrje, wie machen sie das denn, dass die so brav kommen und dableiben. Dalmatiner sind doch immer taub, oder?" Wir sahen uns an und wussten nicht ob wir lachen oder weinen sollten. Wir haben die Familie dann aufgeklärt. Aber es ist schon erstaunlich wie viele dumme Gerüchte gerade über unsere Dalmatiner kursieren. Dalmis wären dumm, aggressiv, überzüchtet ungeheuer schwer zu erziehen und eben fast immer taub. Lächeln Sie nur milde über so viel Blödsinn, wenn Sie so etwas hören oder kommen Sie bei uns vorbei und machen sich selbst ein Bild. Das Thema Taubheit ist natürlich nicht von der Hand zu weisen und ich möchte es wirklich nicht verniedlichen. Gerade für mich als Züchter ist das ein großer Angstfaktor, denn es ist wirklich nicht lustig einen tauben Welpen zu haben. Ich leide immer mit meinen Züchterkollegen, wenn es wieder einen getroffen hat. Die genetische Taubheit tritt nicht nur beim Dalmatiner, sondern auch bei allen anderen Hunderassen mit dem so genannten „Merlefaktor“ auf, was bedeutet: weiße Grundfarbe mit Flecken. Das Gen für die weiße Farbe beeinflusst manchmal die Entwicklung des Hörnervs und dieser reißt dann beim Wachsen des Welpen ab. Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt und in Wirklichkeit ein sehr komplexer Vorgang, den ich hier nicht weiter erläutern möchte. Der vollständige Abriss beider Hörnerven ist aber Gott-sei-Dank sehr selten. Um einmal nüchterne Zahlen zu nennen waren im DDC im Jahr 2003 2,5% und 2004 1,38% aller geborenen Welpen taub. Genetisch gesehen und damit für die Zuchtwertschätzung wichtig fallen aber auch die einseitig hörenden Hunde mit ins Gewicht. 2003 waren das 8,47% und 2004: 7,96%. Dank der schon seit längerer Zeit vorgeschrieben audiometrischen Untersuchungen der Zuchttiere, geht die Taubheitsrate erfreulicherweise zurück. Einseitig taube Hunde kann man ohne Audiometrie nicht erkennen. Für den Hund bedeutet das allerdings keinerlei Beeinträchtigung.
Wir haben uns schon seit Beginn unserer Zucht sehr für die Eindämmung der Taubheit eingesetzt und fast alle unsere Welpen auch schon vor der Einführung der Pflichtaudiometrie untersuchen lassen. Außerdem unterstützten wir mit Blutuntersuchungen des ganzen Wurfes die genetischen Forschungen des Prof. Distel. Leider wird allerdings noch einige Zeit vergehen, ehe ein Ergebnis dieser Genforschung für uns Züchter hilfreich sein kann. So müssen wir Züchter weiterhin viele Stunden für Recherchen investieren um Linien zu suchen, die genetisch vorteilhafter sind, als andere.
Für Welpenkäufer ist die Audiometrie auch ein Segen, denn man bekommt ein sicheres Attest, dass sein Hund beidseitig hört. Auch wenn hören und gehorchen dann zwei Paar Stiefel sind.